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Bremen - Von Corinna Laubach Kommt Ihnen die Welt draußen ein wenig düster und grau vor? Dann schieben Sie entweder den berüchtigten „November-Blues“ oder befinden sich womöglich in den Wechseljahren. In beiden Fällen empfiehlt sich ein Besuch auf dem Theaterschiff. Sie werden es beschwingt verlassen, versprochen! Die Revue „Heiße Zeiten“ feierte am Mittwochabend eine umjubelte Premiere auf dem Theaterschiff. Das Stück hat Kult-Potenzial, schreibt unsere Rezensentin.
Die Revue „Heiße Zeiten“ feierte am Mittwochabend eine umjubelte Premiere auf dem Theaterschiff. Das Stück hat Kult-Potenzial, schreibt unsere Rezensentin.
Auf der schwimmenden Bühne an der Tiefer sind jetzt vier Frauen eingezogen, die das Schiff zum Beben bringen. Und das mit einem Tabu-Thema. Die Wechseljahre. Ein Anliegen, über das man nicht spricht, höchstens vielleicht in der medizinischen Fachpresse. Nach zwei Stunden „Heiße-Zeiten“-Revue wird man das mit ganz anderen Augen sehen. Dieses Stück hat eindeutig Kult-Potenzial. Mit dem liebevoll als „Hormonical“ betitelten Stück liefert das Theaterschiff nicht nur pure Unterhaltung auf erstklassigem Niveau. Das Zeitwerk über Wechseljahre, Inkontinenz, Anti-Aging und tickender biologischer Uhr ist ein musikalisches und schauspielerisches Wunderwerk. Vier weibliche Prototypen zwischen 42 und 53, Popsongs aus drei Jahrzehnten und eine Wartehalle am Flughafen sorgen in der spritzigen Inszenierung von Karsten Engelhardt für jede Menge Spaß, Selbstreflexion und Seitenhiebe.
Gleich drei Neulinge sind auf der kleinen Bühne zu erleben. Das, was sie bieten, hat man an Spielfreude und Authentizität lange nicht gesehen. Die vier Vollblut-Schauspielerinnen und -Sängerinnen Katja Brauneis (die Karrierefrau), Kristin Meyer (die Junge), Astrid Schulz (die Vornehme) und Sema Mutlu (die Hausfrau) servieren eine großartige Studie des eigenen Geschlechts. Oft brüllend komisch, ohne platt zu wirken, und immer wieder auch mit ganz leisen Zwischentönen, wenn es um unerfüllten Kinderwunsch, Bindungsängste und Eltern im Pflegeheim geht. Beim Warten auf Flug „1974“ nach New York offenbart sich bei aller Unterschiedlichkeit der Frauen doch so manche Gemeinsamkeit. Bekannte Popsongs von „I will survive“ („Wir heben ab“) über „Thriller“ („Schönheit“) bis zu „Staying alive“ („Fit for Flight“) haben neue deutsche Textinhalte rund um Skalpell, Faltencreme und Schweißausbrüche bekommen, die vor Wortwitz nur so sprühen. Das Quartett überzeugt bei jedem Lied mit Präsenz, Mimik und vor allem Stimme.
Das Stück aus der Feder von Tilmann von Blomberg ist ein großartiger Blick in die weibliche Seele. Wahr und witzig, bissig und beschwingt. Großer Jubel vom Premierenpublikum.
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