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Weiblicher “Macho Man” sucht Theaterschiff heim
Bremen - Von Sven Garbade Moment mal, sind wir. eigentlich im richtigen Stück gelandet? Statt des angekündigten "Macho Man" stakst auf der Bühne des Bremer Theaterschiffs vielmehr ein schwachschultriger Weichling von einem Fuß auf den anderen. Keine Muskeln, auch keine vorgereckte Gürtelschnalle sind zu sehen. Was ist hier bloß los? Manche Zuschauer hatten bereits Comedy in Höhlenmensch-Manier befürchtet.
Diese Irritationen haben zu Beginn der jüngsten Theaterschiff - Premiere natürlich ihren guten und gewollten Grund: Hier wird die Geschichte eines (deutschen) Weicheis vorgespielt, das später auf die Seite eines (türkischen) Machos überwecselt. Der blonde Softie versucht das Herz einer deutsch-türkischen Frau zu gewinnen, indem er höchst tapsig zwischen verschiedenen Rollen changiert. Diese Ein-Mann Komödie amüsierte bei der Premiere auf dem Theaterschiff vor allem durch den pfiffig aufspielenden Erik Voss - und ebenfalls durch die Roman-Vorlage von Moriz Netenjakob in der ziemlich derbe und ungemein intlligente Gags schlüssig miteinander gemischt wurden.
Die Zuschauer erleben m der zwei Stun´den dauernden Aufführung also einen Mann namens Daniel: blond, deutsch und verunsichert durch seine jahrelange Dressur zu einem zarten, empfindsamen Zeitgenossen. So schüchtern ist er dadurch geworden, dass ihm selbst ein Flirt mit der Stewardess misslingt. Aber zu seinem Glück verläuft die Annäherung an Damenbekanntschaft später besser, und er kann sich im Urlaub mit dröhnendem Herzen an eine schicke Frau ranmachen.
Schauspieler Erik Voss sinkt ständig auf die Knie, um die flott wechselnden Rollen der beiden Verliebten anzudeuten. Komödiantisch rustikal gespielt, mit energischem Willen zum Gag. Insgesamt glüht so etwas wie eine freundliche Herzlichkeit, die den gesamten Theaterabend trotz all seiner Grellheiten liebenswert macht. Die Höhepunkte stellen sich meist dann ein, wenn Voss den türkischen Vater spielt: mit seiner Feindlichkeit gegenüber den Griechen, mit seiner schnarrenden Begeisterung für Fußball, mit seiner Ablehnung für akademisches Geschwätz. Das ist trefflich.
Zwar rattert die ganze Geschichte immer etwas bemüht voran, weil es der TV - Comedy-erprobte Autor Netenjakob genauso getaktet hat.
Alles mischt sich schön gleichmäßig und ein wenig vorhersehbar aus Verlierer- und Gewinner-Geschichte. Ein dramatisches Achterbahngefühl soll sich durch möglichst schwungvoll eingerichtete Kurven im Stückverlauf einstellen. So wird Versager Daniel kurzerhand wieder zum Gewinner, wenn er im Urlaub besagte türkische Frau erobert. Dann folgt die Heirat in Deutschland. Zuvor muss eine türkische Wahrsagerin, als der Zuckerguss der ersten Liebe weggeblasen ist, noch im Kaffeesatz rummatschen.
Man ahnt: Die Winkelzüge der Geschichte legen erstaunlich schnelle Querabbiegungen ein. Doch die meisten Ungereimtheiten können problemlos weggelacht werden.
Am Ende wird der tollpatschige Held erneut zum Verlierer werden, weil er das Macho-Gehabe seiner angeheirateten türkischen Familie übereifrig angenommen hat. Damit verprellt er seine Frau. Das ist dann die schönste und bedenkenswerteste Wendung an diesem Theaterabend, der sich so albern gibt - und doch so viele Abgründe ganz wunderbar beschreibt.
Quelle: Weser Kurier Bremen Bericht vom 28.08.2011 Geschrieben von Sven Garbade
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